„Mein Name ist Dante Honeymoon. Aber das ist nicht so wichtig. Es wird in dem, was ich heute zu erzählen habe, nicht um mich gehen.“

 

Diese Worte, die Dante Honeymoon in seiner ersten Rede (in der wir erfahren, dass mit dem Qkuahtagir etwas nicht stimmt) an das Publikum richtet, sollte man sich zu Herzen nehmen – wer gehofft hat, mehr über den geheimnisvollen Erzähler dieses Stückes zu erfahren, wird enttäuscht. Er macht den Eindruck eines gemarterten Geistes, eines Besessenen – das scheint unserem Blick in sein Arbeitszimmer und seinen kryptisch daherkommenden Ausführungen zu entnehmen zu sein – , doch alles andere an ihm bleibt im Dunkeln. So ist das Publikum genötigt, der Salbaderei dieses Dahergelaufenen blindes Vertrauen zu schenken, denn Dante Honeymoon bietet keine Angriffsfläche. Und schließlich – er weiß etwas, das wir nicht wissen.

 

„[...] niemand, scheint mir, erinnert sich noch, dass diese Welt einst eine sehr andere war.“

Hat man dem Stück einmal den plumpen Bruch der vierten Wand verziehen, bietet sich Gelegenheit, die minutiös gestaltete Kulisse zu bestaunen. In sorgfältigster Kleinstarbeit haben NOW MY LIFE IS SWEET LIKE CINNAMON an der Umsetzung einer fantastischen Welt gearbeitet, in der sich das Stück in zwei Akten abspielt. Die Wärme der ersten Hälfte – geprägt vom Wechselspiel zwischen Tag und Nacht, mystischen Erscheinungen wie den Glühwürmchen und einer vibrierenden Pflanzenwelt, Ausdruck der Naturverbundenheit NOW MY LIFE IS SWEET LIKE CINNAMONs – weicht im zweiten Akt einem unheilvollen Timbre: Zwielichtige Gestalten wie der Sekretär oder der enigmatische Klangkörper bevölkern die Landschaft dieses urbanen Untergrunds. Der Heartbreaker ist auf allen Ebenen symbolisch gemeint.

 

Den dramaturgischen Faden durch dieses Dickicht bilden die ineinander verschlungenen Geschichten von Otamanice, der sich selbst spielt, und dem Qkuahtagir, gespielt von Pedro. Jedoch: Hinter der Legende des Oqkarhagumn versteckt sich keine Coming-of-Age-Story. Es ist eine brutale Abrechnung mit der Vergangenheit und eine Parabel auf den Wert wahrer Liebe, gekonnt oszillierend zwischen Nachdenklichkeit und kompromissloser Action, zwischen Bauernweisheit und Taschenspielerphilosophie.

 

„Unser Blick trügt uns allzu oft; als vollendete Tatsache steht jeder Augenblick vor uns und ist im selben Moment doch wieder verflogen, wie eine Schneeflocke, die aus trübem Himmel herabfällt und schon bald auf dem Boden landet, wo sie sofort von einer Weiteren und dann noch einer und Tausenden bedeckt wird, um schließlich ganz zu verschwinden und zu der weißen Masse zu werden, die wir Erinnerung nennen.“ 

Mitwirkende:

Raphael Röchter, Anthony Greminger, Eric Haupt, Otamanice, Leonhard Huhn, Theresia Philipp, Martin Gasser, Tobias Haug